Wissenschaft und Forschung in Köln

Standortfaktor Wissen

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Foto: DLR
Mit rund 100.000 Studierenden gilt Köln als drittgrößte Hochschulstadt Deutschlands. Doch nicht nur der akademische Nachwuchs prägt die Stadt, auch für renommierte Wissenschaftler ist Köln mit seinen zahlreichen Forschungseinrichtungen von internationalem Rang eine Top-Adresse. Um den Standort Köln zu stärken, spielt der Wissenstransfer in die Wirtschaft eine zentrale Rolle. Aktuelle Beispiele zeigen, wie das gelingt. Foto: DLR

Kölner Investmentmarkt

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Das Volumen am Kölner Investmentmarkt liegt am Ende des dritten Quartals laut Analysten zwischen 1,1 und 1,34 Milliarden Euro und ...

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Köln hat Tradition. Davon zeugt die über 2000-jährige Historie, aber auch die weit zurückreichende Geschichte von Wissenschaft und Forschung. Bereits ...

Bauwirtschaft

Aus Köln – für Köln

Köln ist eine vitale Stadt, in der viel gebaut wird. Natürlich müssen auch der Bestand und die Infrastruktur in Schuss ...

Köln hat Tradition. Davon zeugt die über 2000-jährige Historie, aber auch die weit zurückreichende Geschichte von Wissenschaft und Forschung. Bereits im 14. Jahrhundert wurde die Universität zu Köln gegründet. Bis heute kamen 13 weitere Hochschulen hinzu. Neben den hochschulischen sind auch zahlreiche andere Forschungseinrichtungen von internationaler Reputation im Stadtgebiet angesiedelt.

Gemeinsam aktiv sind die bedeutendsten Institutionen in der Kölner Wissenschaftsrunde (KWR), die auf Einladung des damaligen Oberbürgermeisters Fritz Schramma im Jahr 2004 offiziell konstituiert wurde. Sie trägt seitdem dazu bei, dass eine intensive Vernetzung der Einrichtungen untereinander, aber auch der Wissenschaft mit der Wirtschaft gepflegt wird, um Köln als Wissenschaftsstandort zu stärken.

Arbeitsplätze der Zukunft
Für Wirtschaftsdezernentin Ute Berg steht die enge Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft weit oben auf der Agenda. Mit der Einrichtung einer Stabsstelle für Wissenschafts- und Innovationsförderung vor gut zwei Jahren untermauerte sie dieses Anliegen. „An der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft entstehen die Arbeitsplätze der Zukunft. Daher freue ich mich sehr, dass die Stabsstelle im Wirtschaftsdezernat angesiedelt ist“, so die Wirtschaftsdezernentin. „Das Ziel ist es, Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze durch verbesserten Technologie- und Wissenstransfer in Köln und der Region zu stärken.“
Wissenschaft schafft nicht nur Arbeitsplätze, sondern bietet sie auch: Über 17.000 Menschen verdienen laut KWR und dem Kölner Wissenschafts-Wirtschaftsbericht ihr Geld direkt in den Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Damit ist die Wissenschaft das drittgrößte „Unternehmen“ in Köln nach Verwaltung und Ford-Werken. Dem Arbeitsmarkt stehen Jahr für Jahr rund 11.000 hochqualifizierte Absolventen aus Kölner Hochschulen zur Verfügung. Einige Absolventen starten selbst durch: Etwa 1.700 junge Akademiker gründen jährlich in der Kölner Region ihr eigenes Unternehmen. Über 5.000 Arbeitsplätze werden durch diese Neugründungen geschaffen und ein Umsatz von 230 Millionen Euro erzielt.

DLR in Köln-Porz
Die wohl bekannteste nicht-universitäre Forschungseinrichtung Kölns ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) in direkter Nachbarschaft zum Flughafen Köln/Bonn. Neben der Luft- und Raumfahrt sind Verkehr, Energie, Medizin und Sicherheit die Forschungsfelder, die dort vom DLR in neun Forschungseinrichtungen bearbeitet werden. Dazu sind auf dem 1959 eröffneten, 55 Hektar großen Gelände in Köln-Porz einzigartige Großversuchsanlagen entstanden, darunter Windkanäle, Triebwerks- und Materialprüfstände oder auch ein Hochflussdichte-Sonnenofen. Darüber hinaus ist das Astronautenzentrum EAC der Europäischen Weltraumbehörde ESA auf dem Areal untergebracht. Der Standort ist auch Sitz des DLR-Vorstands und des DLR-Technologiemarketings, das als Schnittstelle zwischen Forschung und Industrie fungiert.

Teststand für Turbinen
Weniger Emission, weniger Lärm und ein geringerer Treibstoffverbrauch: Das sind die ehrgeizigen Ziele bei der Weiterentwicklung von Gasturbinen in der Energietechnik und Luftfahrt. Um sie zu erreichen, erweiterte das DLR am Standort Köln gemeinsam mit den Industriepartnern Alstom Power und Rolls-Royce Deutschland die vorhandene Infrastruktur zur Entwicklung umweltfreundlicher Turbinen. Nach einjähriger Bauzeit und einer Investition von rund 50 Millionen Euro wurde Ende November 2014 der neue Hochdruckbrennkammerprüfstand 5 (HBK5) eingeweiht.

Die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie auf diesem Feld ist langfristig ausgelegt: Laut Vertrag soll der HBK5 30 Jahre lang vom DLR-Institut für Antriebstechnik betrieben werden. Alstom und Rolls-Royce bringen dabei ihre jahrzehntelange Erfahrung mit ein und garantieren eine schnelle Markteinführung neuer Technologien. „Die Tatsache, dass zwei so namhafte Unternehmen wie Alstom und Rolls-Royce mit dem HBK5 am DLR-Standort Köln eine 30-jährige Partnerschaft mit uns eingehen, zeugt von dem Vertrauen, das wir uns erarbeitet haben und dass wir mit der Ausrichtung unserer Forschung die richtigen Wege beschritten haben“, sagte Klaus Hamacher, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des DLR, anlässlich der Einweihung der neuen Anlage.

Institut für Solarforschung
Mit Energieerzeugung beschäftigen sich die Wissenschaftler des DLR-Instituts für Solarforschung. Das Prinzip des eingesetzten Hochflussdichte-Sonnenofens: Spiegel fangen die Strahlen der Sonne ein und fokussieren sie. Wie bei einem Brennglas entstehen dadurch hohe Temperaturen. Mit dieser Wärmeenergie wird beispielsweise Wasser zu Wasserdampf erhitzt und damit eine Turbine angetrieben. Der DLR-Sonnenofen ist eine Forschungsanlage, an der neue Verfahren und Bauteile für Kraftwerke getestet und weiterentwickelt werden. Der rund 60 Quadratmeter große Spiegel auf dem DLR-Gelände in Köln-Porz konzentriert die Sonnenstrahlen auf eine Fläche von zehn mal zehn Zentimeter und erzeugt durch die  gebündelte Sonnenenergie Temperaturen, mit denen mühelos ein Tresor aufgeschmolzen werden kann.

Für einen effizienten Umgang mit Energie ist es wichtig, sie möglichst verlustfrei zu speichern, bis sie tatsächlich gebraucht wird. DLR-Energieforscher in Köln arbeiten deshalb daran, wie Wärmeenergie in Industrieprozessen aufgefangen und bei Bedarf wieder eingesetzt werden kann. Zum Beispiel können Hochtemperatur-Wärmespeicher in bestehenden Gas- und Dampfkraftwerken zum Einsatz kommen ebenso wie in Solar- und Druckluftkraftwerken. Im CeraStorE-Gebäude in Köln-Porz testen Wissenschaftler, welche unterschiedlichen Möglichkeiten zur Speicherung von Energie in Form von Wärme, aber auch in Form von Strom, möglich sind.

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DLR-Sonnenofen: An dieser Forschungsanlage werden neue Verfahren und Bauteile für Kraftwerke getestet und weiterentwickelt. Foto: DLR

 

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Ende November 2014 wurde der neue Hochdruckbrennkammerprüfstand 5 (HBK5) eingeweiht. Foto: DLR

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Mit diesem Doppelstock-Zugmodell aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) messen die DLR-Wissenschaftler unter anderem den Lärm eines Hochgeschwindigkeitszuges. Foto: DLR

Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin

Das Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin befasst sich mit der Frage nach der Anpassung von Leben an extreme Umwelten und beteiligt sich auch an der Suche nach Leben im All. Konkret versuchen die Forscher, entscheidend zur Lösung immer bedeutsamer werdender Umweltprobleme auf der Erde beizutragen und der zukünftigen Luft- und Raumfahrt konkrete Lösungen zur Verfügung zu stellen. Vorzeigeobjekt ist die neue lebenswissenschaftliche Großforschungsanlage :envihab (environmental habitat), mit dem das Institut auf höchstem internationalen Forschungsniveau mithalten kann.

Untersucht wird unter anderem die Wirkung von Schwerelosigkeit auf grundsätzliche Funktionen des menschlichen Körpers. Durch den Wegfall der Schwerkraft und die daraus resultierende verminderte mechanische Belastung kommt es im All zu einem Abbau von Muskel- und Knochenmasse. Außerdem wird das Herz-Kreislaufsystem geschwächt. Um diese physiologischen Veränderungen im All auch auf der Erde zu untersuchen, führte das DLR in diesem Herbst eine Langzeit-Bettruhe-Studie durch.

Nach einer 14-tägigen Eingewöhnungsphase lagen mehrere Testpersonen 60 Tage lang in einer 6-Grad-Kopftieflage – also in einem schrägen Bett mit dem Kopf nach unten. Durch die Bettruhe per se und den damit verbundenen Bewegungsmangel simulierten die Forscher am :envihab die Nichtbelastung der unteren Extremitäten und führten verschiedene Experimente aus den Bereichen Herz-Kreislauf, Muskeln und Knochen, Ernährung und Stoffwechsel sowie Gleichgewichtsorgane durch. Daraus wollen die Wissenschaftler Gegenmaßnahmen entwickeln, die sich sowohl für Astronauten im All als auch für bettlägrige Patienten auf der Erde einsetzen lassen.

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Mitarbeiter des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin vor der Großforschungsanlage Foto: DLR

Europäisches Astronautenzentrum (EAC)
Für menschliches Leben im All sorgt das Europäische Astronautenzentrum (EAC) der ESA (European Space Agency). Es wurde 1990 in Köln-Porz gegründet und dient bis heute als Kompetenzzentrum zur Auswahl, Ausbildung und medizinischen Betreuung von Astronauten. Im EAC trainieren die Astronauten und das Bodenpersonal den Betrieb sämtlicher europäischer Komponenten der internationalen Raumstation ISS. Während der Flugvorbereitung und der eigentlichen Mission leistet das EAC Unterstützung für die Astronauten und ihre Familien.

Mit dem Columbus-Raumlabor ist 2008 eine der wichtigsten ESA-Komponenten an die ISS angekoppelt worden. Seit der Inbetriebnahme im Jahr darauf ist die ESA in der Lage, jedes Jahr einen Astronauten auf die ISS zu entsenden. Dieser Rhythmus soll bis auf weiteres beibehalten werden. Die Arbeit auf der ISS sei ein erfolgversprechender Weg, um Europa auf die künftige Exploration des Mondes und des Mars in enger Zusammenarbeit mit internationalen Partnern vorzubereiten, so die Hoffnung der Weltraumforscher.

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Das Europäische Astronautenzentrum (EAC) wurde 1990 in Köln-Porz gegründet. Jährlich werden etwa 30 Astronauten im Europäischen Astronautenzentrum in Köln-Porz ausgebildet. Foto: ESA – D. Baumbach, 2010

Lander Philae: Ein Jahr auf dem Kometen
Ebenfalls im EAC untergebracht ist das Lander-Kontrollzentrum, das die Rosetta-Mission koordiniert. Vor gut einem Jahr wurde hier laut gejubelt, als nach zehnjähriger Anreise das Landegerät Philae als erstes von Menschen geschaffenes Objekt auf dem Kometen Churuyumov-Gerasimenko aufsetzte. Es folgten die ersten wissenschaftlichen Messungen, die es je auf einer Kometenoberfläche gab – rund 500 Millionen Kilometer entfernt von der Erde. Nach zwei Tagen, sieben Stunden und 56 Minuten fiel Philae in einen fast siebenmonatigen Standby-Betrieb und funkte im Juni dieses Jahres wieder Signale an seine Kometensonde Rosetta. Obwohl seitdem Funkstille herrscht, geben der gemeldete Status des Landers und vier intakte Solarpaneele den Wissenschaftlern nach wie vor Anlass zur Hoffnung auf eine Fortführung der Mission.

Low Cost Monitor
Wesentlich irdischer sind die Fragestellungen, mit denen sich das ebenfalls in Köln ansässige DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr beschäftigt. Seit 2006 verfolgt es beispielsweise den Wettbewerb von Fluggesellschaften im Niedrigpreissegment. Ergebnis der jüngsten Ausgabe des „Low Cost Monitor“ vom Herbst 2015: Das Geschäft mit den günstigen Flugtickets hat einen neuen Höchstwert erreicht. „26 Verbindungen mehr als im Vorjahr boten die 20 verzeichneten Airlines mit Low-Cost-Angeboten ab Deutschland an“, sagt Dr. Peter Berster vom DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr. Neuerdings beobachtet das Institut einen immer stärkeren Wettbewerb der Günstigflieger auch untereinander. Dies führe zu weiter sinkenden Flugpreisen.

Altbewährte Anlage – hochmoderne Tests
Der kryogene Unterschallwindkanal – kurz Kryo-Kanal Köln (KKK) – auf dem DLR-Gelände ist einer von weltweit dreien. Er nahm 1962 als erste Versuchsanlage seiner Art den Betrieb auf und ermöglicht aerodynamische Untersuchungen in der Luft- und Raumfahrt sowie in der Verkehrsforschung. Zahlreiche Luftfahrzeuge wie der Alpha Jet oder der Airbus A380 durchliefen hier in ihrer Entwicklung wichtige Tests. Auch Schienenfahrzeugmodelle wie der Next Generation Train werden hier aerodynamisch erprobt. Die Deutsche Bahn zertifizierte den KKK dafür, Messungen für die Abnahme von Hochgeschwindigkeitszügen durchzuführen. Angesichts immer größerer Offshore-Windkraftanlagen stellt die Untersuchung von Windkraftprofilen ein neues Aufgabengebiet dar. Namhafte Industrieunternehmen wie Bombardier, Siemens und Alstom zählen zu den Kunden.

Der Windkanal ist 135 Meter lang, verfügt über eine geschlossene Messstrecke und erreicht Geschwindigkeiten bis zu 0,38 Mach, rund 420 km/h. Das Besondere des Kanals liegt jedoch im ersten „K“: Die Temperatur der durch den Kanal strömenden Luft lässt sich bis minus 173 Grad Celsius abkühlen. Erreicht werden diese extremen Minusgrade durch das Einspritzen von flüssigem Stickstoff, der in großen Tanks neben dem Gebäude lagert. Vereinfacht gesagt, werden die Luftmoleküle durch die extreme Kälte gefroren, wodurch sich die freie Lauflänge der Moleküle verkleinert. So lässt sich das Größenverhältnis der Luftmoleküle an den Maßstab der Windkanalmodelle anpassen. Dank dieser Skalierung erhalten die Wissenschaftler hochpräzise Messergebnisse unter realitätsnahen Bedingungen. Dipl.-Ing. Rüdiger Rebstock, Leiter des Kryo-Kanals Köln, erklärt: „Die Technik des Kanals ist aufwändig: Allein für das Abkühlen des Kanalgases, das Reduzieren seiner Feuchte und das Herunterkühlen der Dämmschichten der Anlage werden etwa 80 Tonnen Stickstoff benötigt. Um den Windkanal wirtschaftlich betreiben zu können, arbeiten wir im Schichtbetrieb.“

COPT.ZENTRUM der Universität zu Köln
Hohes wissenschaftliches Renommee genießt eine noch sehr junge Institution des Landes Nordrhein-Westfalen: das COPT.NRW – „Center for Organic Production Technologies North Rhine-Westphalia“. Dahinter steckt ein Verbund aus Partnern der Wirtschaft und Wissenschaft mit Fokus auf die Organische Elektronik. Ganz neu ist das zugehörige COPT.ZENTRUM der Universität zu Köln, das in zweijähriger Bauzeit an der Luxemburger Straße 90 in Köln-Lindenthal entstand. Der Neubau wurde mit 9,35 Millionen Euro aus Mitteln der Landesregierung und der EU gefördert und am 19. Oktober eröffnet. Mit dabei waren rund 600 ausgewählte Besucher aus Wissenschaft und Wirtschaft, darunter auch Wissenschaftsministerin Svenja Schulze, Wirtschaftsminister Garrelt Duin und der Rektor der Universität zu Köln, Prof. Axel Freimuth, sowie der Referatsbeauftragte für Wissenschaftstransfer und Existenzgründungen der Kölner Uni, Prof. Klaus Meerholz. Klar formulierten sie in ihren Reden den Anspruch: Das COPT.ZENTRUM diene der Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft auf internationalem Spitzenniveau.

Ermöglicht werden sollen dadurch vollkommen neue elektronische Produkte: flexible Displays, Solarzellen auf Folien, medizinische Diagnosegeräte in der Kleidung oder sogar zum Aufkleben auf die Haut. Schon jetzt befinden sich sogenannte OLEDs (Organic Light Emitting Diodes, Organische Leuchtdioden) in Leuchten oder Displays von Smartphones. Erste Fernsehgeräte mit OLEDs sind auf dem Markt, unzerbrechliche und flexible Displays aus Kunststoff sind bereits angekündigt.

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UNIVEX Innenraum (oben) und Vakuumsysteme (r.): Spezial­anfertigung des Kölner Unternehmens Oerlikon Leybold Vacuum für das COPT.Zentrum. Foto: Oerlikon Leybold Vacuum

 

Vakuumtechnologie made in Cologne
Die meisten Forschungsprozesse in diesem Bereich finden unter Hochvakuumbedingungen statt. Hierfür lieferte das Kölner Unternehmen Oerlikon Leybold Vacuum die speziell angefertigten experimentellen Kammersysteme. Dr. Martin Füllenbach, CEO des Kölner Unternehmens: „Dies ist Spitzentechnologie, die von einem Kölner Pionier der Vakuumtechnologie für das COPT.ZENTRUM der Universität Köln maßgeschneidert wurde.“ Auf rund 1.000 Quadratmetern Labor- und Bürofläche bietet das Zentrum Raum für kleine und mittlere Unternehmen. Den zukünftigen Mietern stehe nicht nur eine technologische Infrastruktur auf höchstem Niveau zur Verfügung, sondern auch Unterstützung durch die Experten vor Ort. Ab dem neuen Jahr sollen Projekte durchgeführt werden, die dann zu konkreten Produktumsetzungen führen könnten. Die Forschungseinrichtung gilt als zentraler Baustein für die Technologietransferstrategie der Uni.

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Feierliche Eröffnung des COPT.ZENTRUM für Organische Elektronik Köln mit Prominenz aus Wissenschaft und Politik. Foto: Lisa Beller

 

Projektbeispiele COPT.NRW
Im Rahmen von COPT.NRW bestehen teilweise schon seit mehreren Jahren erfolgreiche Kooperationen mit Unternehmen aus der Region. Ein Beispiel ist das Projekt ecOLED, ein Kunstwort für die ökologische Produktion Organischer Leuchtdioden. Ziel ist, sowohl ökologisch als auch ökonomisch überzeugende OLEDs zu entwickeln. Das Forschungskonsortium wird von Prof. Klaus Meerholz von der Uni Köln geführt, der zugleich Vorstandsvorsitzender von COPT.NRW ist. Beteiligt sind Firmen aus der Region, für die Auswertung der Ergebnisse ist das Forschungsinstitut Zentrum für organische Elektronik Köln (ZOEK gGmbH) verantwortlich.

Im Rahmen eines anderen Projekts mit Namen FIM-O werden die Grundlagen für die Inte­gration von organischen Elektronik-Bauteilen in verformte und hinterspritzte Kunststoffbauteile erarbeitet. Konkrete Anwendung finden könnten die Forschungsergebnisse in künftigen Pkw-Cockpits, die anstelle des zergliederten Armaturenbretts eine einheitliche Fläche darstellen. Erst durch Einschalten der Zündung erscheinen die Anzeigen der Geräte direkt in der Kunststoffoberfläche und werden über Berührungen bedient. Unter der Konsortialführung der Universität zu Köln sind auch hier industrielle Partner und Forschungsinstitute in das Projekt eingebunden.

GATEWAY – Gründungsservice der Universität zu Köln
Ein Novum an der Universität zu Köln ist neben dem COPT.ZENTRUM der am 22. Januar eingeweihte GATEWAY-Gründungsservice. Studierende und Hochschulmitarbeiter werden hier auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleitet. Das Angebot beinhaltet professionelle Gründungsberatung, themenspezifische Veranstaltungen und richtet sich vor allem an technologie- und wissensbasierte Gründerteams aus der Hochschule. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin und der damalige Oberbürgermeister der Stadt Köln, Jürgen Roters, begrüßten die Initiative und werteten das ausgeweitete Unterstützungsangebot als bedeutende Maßnahme für den Ausbau der regionalen Gründerkultur.

Die Bilanz nach knapp einem Jahr: „Sowohl die Veranstaltungen als auch die Gründungsberatung werden gut frequentiert“, sagt Vesna Domuz, die als Gründercoach direkt involviert ist. „Die Bekanntheit auf dem Campus der Universität zu Köln steigt.“ Mittlerweile nutzen vier Teams in ständiger Betreuung die Räumlichkeiten des GATEWAY, und es haben sich elf Teams gebildet, die regelmäßig Co-Working-Plätze beanspruchen. Vor allem im IT-, technologie- und wissensbasierten Bereich entstünden viele Geschäftsideen, so Vesna Domuz. Verschiedene GATEWAY-Teams waren bereits bei Gründungs-Wettbewerben erfolgreich, beispielsweise Foodloop, UVIS oder PlanIT Green. Mit SUMTEQ, UVIS und Foodloop konnten erste Firmengründungen mit begleitet werden. Parallel wurden über GATEWAY Gründungsstipendien beantragt.

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Eröffnung des GATEWAY- Gründungsservice der Universität zu Köln: (v. l.) NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin, Thomas Grota, Ina Gabriel, Tim Schumacher, Prof. Dr. Thomas Langer, Marc Kley. Foto: Maximilian Arbeiter, MADK Photography

 

TH Köln
Die Technische Hochschule (TH) Köln kooperiert regional, national und international mit vielfältigen Unternehmen und Institutionen. „Am Standort Köln ist die Hochschule eine der wichtigsten wissenschaftlichen Kooperationspartnerinnen der Unternehmen“, so Prof. Dr. Klaus Becker, Geschäftsführender Vizepräsident der TH Köln. Kooperationen finden in Form von Wissenstransfer, studentischen Projekten, Abschlussarbeiten, Praktika und Praxissemester sowie im Bereich Aus-, Fort- und Weiterbildung statt. Hinzu kommen kooperative Forschungs- und Entwicklungsprojekte, verschiedene Dienstleistungen sowie die Einrichtung von Stiftungsprofessuren. Außerdem nennt Prof. Becker die Mobilität der Forscherinnen und Forscher zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie den Transfer über Ausgründungen als wichtige Bindeglieder.

Erst vor kurzem hat sich die ehemalige „Fachhochschule“ in TH Köln umbenannt. Der neue Name sei das Ergebnis eines intensiven, hochschulweiten Prozesses, in dem die Hochschule ihr Selbstverständnis und ihre strategische Ausrichtung überprüft und neu justiert habe, erklärt dazu der Vizepräsident. „Mit dem Namen TH Köln sind wir auf dem Weg, einen neuen Hochschultyp mit zu definieren, eine Hochschule mit zukunftsweisenden Lehrkonzepten, ausgeprägter Forschungsstärke, internationaler Ausrichtung und einem gemeinsamen Auftrag: Wissenschaft wirksam zu machen für Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft.“

Durch die strategische Ausrichtung, die inhaltliche Arbeit sowie durch hochwertige Lehre und Forschung leiste, so Becker weiter, die TH Köln einen wichtigen Beitrag für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Köln. Seit vielen Jahren sei die Hochschule Vorreiterin bei Veränderungs- und Innovationsprozessen in der Hochschullandschaft, insbesondere unter den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Prof. Becker ist überzeugt: „Die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung unserer Hochschule wird dazu beitragen, unser gutes Renommee weiter auszubauen. Davon wird in jedem Fall der Standort Köln profitieren – auch mit Blick auf seine überregionale und internationale Reputation.“

TH Köln: Mit der Umbenennung soll ein neuer Hochschultyp definiert werden.

TH Köln: Mit der Umbenennung soll ein neuer Hochschultyp definiert werden. Foto: Thilo Schmülgen/TH Köln

 

RFH Köln
Die Rheinische Fachhochschule Köln, kurz: RFH, bemüht sich gerade in jüngster Zeit sehr intensiv um den Wissenstransfer in die Praxis. Unter anderem bringen forschende Dozenten ihre Themen aktiv in die Vorlesung ein, berichten über aktuelle Entwicklungen, ergänzen ihr Vorlesungsangebot durch Exkursionen und bieten interessierten Studenten die Mitarbeit im Labor an. In Praxistransferprojekten suchen sich Studierende einen Partner aus der Wirtschaft und bearbeiten ein vorliegendes Praxisproblem mit wissenschaftlichen Methoden. Im Rahmen von Abschlussarbeiten werde häufig mit den Betreuern und kooperierenden Unternehmen an Forschungsprojekten gearbeitet, so Beate Czikowsky, Sprecherin der RFH. Gemeinsam mit Unternehmen betreute Projekt- und Bachelorarbeiten seien sogar eher die Regel als die Ausnahme.

Auf dem jährlich angebotenen Wirtschaftsforum suchen lokale Unternehmen auch schon während der Studienzeit potenzielle Kandidaten für zu vergebende Themen in einer Abschlussarbeit. Partner aus dem Raum Köln sind unter anderem REWE Systems, REWE Digital, adesso, rhenag, RWE, detecon, Erzbistum Köln, Bundesverwaltungsamt, assure Consulting, Sopra Steria und NetCologne. Wie intensiv solche Kooperationen gesucht werden, beschreibt Beate Czikowsky so: „Wir erhalten mehrere Anfragen pro Woche für Themen gemeinsamer Bachelorarbeiten oder Ausschreibungen für Absolventen und Ähnliches – Tendenz weiter steigend.“
Neben den erhofften Forschungsergebnissen nutzen Unternehmen während der gemeinsamen Arbeiten auch die Chance, sich Studierende genauer anzuschauen und geeignete Kandidaten anschließend einzustellen. Zum Beispiel habe adesso in den vergangenen zwei Jahren vier RFH-Absolventen nach Projekt- oder Bachelorarbeiten eingestellt, REWE Systems einen. Weiterer Vorteil für die Studierenden: Sie lernen bereits während des Studiums Unternehmen kennen.

Ganz aktuell wurde im September das Institut für Projekt- und Informationsmanagement (IPMI) an der RFH gegründet. Es fördert explizit den Wissenstransfer zwischen Unternehmen und Hochschule. Auch für die Studierenden sollen sich dadurch weitere Perspektiven ergeben.
Darüber hinaus bieten Unternehmen an der RFH fachlich interessante Workshops an, um Absolventen auf sich aufmerksam zu machen. Dabei handle es sich nicht um reine Marketing-Veranstaltungen, so Beate Czikowsky.

Campus der RFH Köln an der Vogelsanger Straße in Köln-Ehrenfeld.

Campus der RFH Köln an der Vogelsanger Straße in Köln-Ehrenfeld. Foto: RFH

 

Ford-Fahrzeuge werden in Köln entwickelt
In den Kölner Ford-Werken sind mehr als 17.000 Mitarbeiter beschäftigt. Neben der Fahrzeugfertigung in Köln-Niehl ist in Köln-Merkenich das John-Andrews-Entwicklungszentrum beheimatet. „Das Entwicklungszentrum Merkenich wird den Ford-Werken dazu verhelfen, stets einen Vorsprung zu haben“, sagte Henry Ford II, Enkel des Firmengründers Henry Ford, bei der Eröffnung am 20. Juni 1968. Der Standort Köln-Merkenich spielt heute als „Center of Excellence“ für die globale Pkw-Entwicklung von Ford eine Schlüsselrolle. Ein Großteil der weltweiten Fahrzeugentwicklung konzentriert sich hier. Auf dem Gelände befinden sich auf einer Gesamtfläche von 500.000 Quadratmetern drei Bürokomplexe, ein Design-Center, zwei Teststrecken, drei Klimawindkanäle, ein aero-akustischer Windkanal und die sogenannte „Cave“ – ein virtueller Raum zur Fahrzeugbeurteilung.

TÜV Rheinland bringt autonomes Fahren mit auf die Straße
Der in Köln ansässige TÜV Rheinland begleitet Unternehmen und die Öffentliche Hand bei Forschungsvorhaben. Unter anderem unterstützt der Prüfdienstleister seit 1973 als Projektbegleiter und seit 1993 als Projektträger verschiedene Bundesministerien bei der Vorbereitung und Umsetzung von Forschungsprogrammen, vornehmlich in den Bereichen Mobilitäts-, Verkehrs- und Technologieforschung.

Aktuelles Beispiel: Im November hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eine Ausschreibung für „Hoch- und vollautomatisiertes Fahren für anspruchsvolle Fahrsituationen“ veröffentlicht. In dieser Schlüsselindustrie sei eine Vorreiterrolle Deutschlands sehr wichtig. Die Vision des autonomen Fahrens könne bereits in naher Zukunft Realität werden, weswegen alle Automobilhersteller mit Hochdruck daran arbeiteten. Zuvor müssten jedoch noch eine Reihe von technischen und rechtlichen Herausforderungen gelöst werden, so das BMWi. Es gilt, den Funktionsnachweis beispielhaft in einer realen, automatisierten Fahrsituation zu erbringen. Als Projektträger für dieses Verbundforschungsprojekt wurde die TÜV Rheinland Consulting GmbH beauftragt.

Vier Max-Planck-Institute in Köln
Das Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln-Ossendorf betreibt molekularbiologische Grundlagenforschung an Pflanzen. Ziel ist, konventionelle Züchtungsmethoden zu verbessern und umweltverträgliche Pflanzenschutzstrategien für Nutzpflanzen zu entwickeln. Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln-Lindenthal erforschen, wie Zellen im Laufe ihres Lebens altern, welche Gene daran beteiligt sind und welche Rolle Umweltfaktoren spielen. Langfristig soll diese Grundlagenforschung dazu beitragen, dass Menschen gesünder alt werden können. Die neuronalen Regelkreise vollständig aufzuklären, ist die Absicht des ebenfalls in Lindenthal angesiedelten Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung. Damit könnten neue molekulare Therapieansätze für Erkrankungen wie Alterszucker und Fettleibigkeit entwickelt werden. In der Kölner Innenstadt befindet sich das Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung. Im Sinne anwendungsoffener Grundlagenforschung soll hier eine empirisch fundierte Theorie der sozialen und politischen Grundlagen moderner Wirtschaftsordnungen entwickelt werden, wobei sich die Forscher insbesondere für die Zusammenhänge zwischen ökonomischem, sozialem und politischem Handeln interessieren.

Das Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln-Lindenthal.

Das Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln-Lindenthal. Foto: El Grafo/Wikimedia Commons

 

Harmonischer Dreiklang
Fragt man Menschen, was ihrer Meinung nach für den Standort Köln spricht, so kommt meist die Antwort, dass Köln eine liebens- und lebenswerte Stadt sei. Spricht man mit den Verantwortlichen in neu angesiedelten Unternehmen darüber, welche Faktoren für die Standortwahl den Ausschlag gaben, wird sehr oft die gute Verkehrsanbindung genannt. Immer stärker macht sich jedoch auch die Erkenntnis breit, dass Köln darüber hinaus noch mehr zu bieten hat: nämlich hervorragende akademische Institutionen und Forschungseinrichtungen von Weltruf. Diese dritte Komponente ist für die zukünftige Entwicklung der Metropole von großer Bedeutung. Sie sorgt für anspruchsvolle Jobs, innovative Unternehmen und top-ausgebildete Arbeitskräfte. Wenn sich die hier arbeitenden und forschenden Menschen in Köln auch wohlfühlen und für ihre Mobilität gesorgt ist, können die Entwicklungsprognosen nur günstig ausfallen.

Autor: km
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