Neu in Köln: MEDIAN Gesundheitszentrum

Kompetente Anlaufstelle für Suchtkranke

Kompetente Anlaufstelle für Suchtkranke
Im Richmodishaus am Neumarkt (Mitte) findet sich seit Mai das neue Median Gesundheitszentrum. Foto: MK/FM
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12. Juni 2018

Köln hat mit dem MEDIAN Gesundheitszentrum im Richmodishaus direkt am Neumarkt eine neue Anlaufstelle für Menschen mit Sucht- und psychosomatischen Erkrankungen. Offiziell eröffnet wurde es im Mai.

Beraten werden Betroffene und deren Angehörige bei riskantem, schädlichem und abhängigem Konsum von Alkohol, Medikamenten und Drogen. Außerdem gibt es Beratungsangebote bei pathologischem Glücksspiel und Internetsucht sowie psychosomatischen Erkrankungen.

Bei der Eröffnungsfeier verwies der Kaufmännische Leiter der Einrichtung, Hugo Hennes, auf das umfangreiche Spektrum an angebotenen Leistungen. Dazu zählen in jüngster Zeit auch gesundheitliche Fragestellungen, die sich im Rahmen der Digitalisierung ergeben. In Beratung, Rehabilitation und Psychotherapie spielen diese zunehmend eine Rolle.

Von der Idee zur Praxis

Teamleiterin Elena Neumann und Peter Missel, Leitender Psychologe, stellten das MEDIAN Gesundheitszentrum Köln vor – „Von der Idee zur Praxis“. Beide verwiesen auf die Besonderheit der engen Kooperation mit dem Medizinischen Versorgungszentrum Dr. Nau und Kollegen, das im selben Gebäude untergebracht ist. Das Richmodishaus am Kölner Neumarkt beherbergt in dieser Praxisgemeinschaft über 30 Ärzte, Psychologen und medizinische Fachangestellte. Dorthin können Hilfesuchende rasch vermittelt werden, erklärte Elena Neumann. Dies könne beispielsweise dann der Fall sein, wenn ärztlicher Rat, Testungen oder Befundberichte einzuholen sind. Zügig sei auch die Terminvergabe im MEDIAN Gesundheitszentrum: In der Regel erhalten Hilfesuchende innerhalb von drei Werktagen einen persönlichen Termin.

Peter Missel betonte, dass das MEDIAN Gesundheitszentrum keine Konkurrenz zu bestehenden Kölner Einrichtungen darstelle, sondern eine Ergänzung. Leider sei festzustellen, dass viele Suchterkrankte Hilfe oft nicht oder zu spät in Anspruch nehmen. Über 1,7 Millionen Alkoholabhängigen in Deutschland stünden lediglich 38.000 Entwöhnungsbehandlungen gegenüber. Das MEDIAN Gesundheitszentrum Köln könne hier Abhilfe schaffen. Dank der engen Kooperation mit den Fachleuten im Richmodishaus sei ein schneller Zugang zur Entwöhnungsbehandlung möglich. Zudem engagiere man sich im Bereich „Nahtlosverfahren“, bei dem ein nahtloser Übergang von einer qualifizierten Entgiftung in eine Entwöhnungsbehandlung möglich sei. Der Psychologe empfahl überdies eine möglichst langfristige Nachsorge von bis zu einem Jahr.

Digitale Dauerbeschallung

Über die Auswirkungen von Smartphones und sozialen Netzwerken auf das menschliche Verhalten referierte anschließend Prof. Dr. Christian Montag. „Vom Homo Sapiens zum Homo Digitalis“ waren die Ausführungen des Leiters der Abteilung Molekulare Psychologie an der Universität Ulm überschrieben. Der Experte warnte eingangs zwar vor einer „Pathologisierung des Alltags“, zeigte gleichzeitig aber zahlreiche negative Beispiele der „alltäglichen Dauerbeschallung“ – im elften Jahr der Einführung des iPhones und 28 Jahre nach dem Startschuss des Internets. Mithilfe einer App (Download unter https://menthal.org), die das Nutzerverhalten misst und seit 2015 bereits 500.000 mal heruntergeladen wurde, gelang es Prof. Montag und Kollegen, valide Zahlen zu ermitteln. Demnach setzen Menschen ihr Smartphone durchschnittlich 2,5 Stunden am Tag aktiv ein – also mehr als einen Arbeitstag pro Woche. Als besondere „Zeitvernichter“ bezeichnete der Psychologe die Social Media, namentlich WhatsApp mit durchschnittlich 30 Minuten und Facebook mit zirka 15 Minuten täglicher Nutzungsdauer. Dabei kamen die Forscher zum Ergebnis, dass Frauen deutlich mehr Zeit mit ihrem Smartphone verbringen als Männer. In Asien seien Smartphone- und Internetsucht noch wesentlich weiter verbreitet als hierzulande. Während in Deutschland ungefähr ein Prozent der Menschen dazu neigen, sind es laut Prof. Montag in asiatischen Ländern bis zu sieben Prozent.

Im Ergebnis stellte der Fachmann fest, dass die beschriebenen Verhaltensweisen durchaus Spuren bei den Menschen hinterlassen und auch kognitive Fähigkeiten negativ beeinflussen können. Wissenschaftliche Bewertungen fallen allerdings noch unterschiedlich aus, zumal es „starke Überlappungen mit ADHS und Depressionen“ gebe.

Autor: Florian Meurer
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